Ninety Minutes

2004 begann Roland Wirtz mit seiner Werkgruppe „ninety minutes“.
Mit Hilfe einer selbst konstruierten Kamera wird die gesamte Dauer ausgewählter
Fußballspiele unmittelbar auf 2,20 x 1,27 m großes Farbfotopapier
belichtet. Kein Negativ, kein Nachbearbeitung, kein Pixel tritt im Werk
zwischen Ereignis und Betrachter. Kein zweiter Versuch und keine Kopien
– die Aufnahme ist genauso einmalig und ungewiss im Ergebnis wie
das Fußballspiel selbst.
"...Roland
Wirtz lässt das Licht fluten, mit einer selbst konstruierten Kamera
auf ein Fotopapier in der Größe 127 x 220 cm. Das Endspiel
im Fußball beispielsweise, auf das die halbe Welt fiebert, zeigt
im Bild nach 90 Minuten „Leere“. In einer enormen Belichtungszeit
verschwimmt das Geschehen. Bewegung, Begeisterung, Tumulte und Hektik
lösen sich in Zeitlosigkeit auf. Es ist eine philosophische Haltung,
die zu uns spricht. Es sind die der Welt immanenten Gegensätze,
die uns gefangen nehmen: Ordnung und Unordnung, Teilchen und Antiteilchen.
Ein Maximum an Konzentration wird gleichzeitig in ihr Gegenteil umgewandelt.
Das ist das Schöne, Aufregende an der Arbeit von Roland Wirtz,
dass inmitten eines Hexenkessels die völlige Ruhe einkehrt. Fast
könnte man sagen; Je aufgeheizter die Stimmung ist, desto mehr
“entleert“ sich das Bild in den Bewegungsabläufen.
Das Bild ist angereichert, enthält das ganze Spiel, ist einmalig
(wird nicht reproduziert), ist 90 Minuten dauernder Energieträger,
ist für den Fußball das Schweißtuch der Heiligen Veronika..."
Prof. Jean-Christophe Ammann - Frankfurt, Oktober 2009
  
Kameraaufbau, Berlin Olympistadion, 25.5.2007
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